CEFAe-ES

Wir haben den ersten Untersuchungsbericht der argentinischen Luftwaffe übersetzt und deutsche UFO-Forscher um eine Stellungnahme gebeten.

 

Von Robert Fleischer

 

Im Juni 2011 kündigte die argentinische Luftwaffe die Einrichtung einer staatlichen UFO-Untersuchungsbehörde an. Im Dezember 2015 präsentierte die neu gegründete „Kommission für Luftraumphänomene“ (CEFAe) nunmehr ihren ersten Untersuchungsbericht. Er enthält sämtliche ab dem Jahr 2015 an die argentinische Luftwaffe übermittelten Sichtungsfälle, zu deren Aufklärung CEFAe auch externe, zivile UFO-Forscher hinzu zog.

Der offizielle UFO Report der Luftwaffe war von vielen südamerikanischen Forschern mit Spannung erwartet worden, doch er fällt eher mager aus. Auf insgesamt 12 Seiten nimmt Argentiniens neue UFO-Behörde Stellung zu den ihr eingesandten Fotos (DOWNLOAD AUF DEUTSCH / IM ORIGINAL). In fast allen Fällen war laut Expertenmeinung der argentinischen Luftwaffe die Fehlinterpretation eines bekannten irdischen Phänomens für die UFO-Sichtung verantwortlich: Navigationslichter von Flugzeugen oder Hubschraubern, Satellitenüberflüge, astronomische Erscheinungen wie Sterne oder Planeten.

Nur ein Fall unterscheidet sich vom gängigen Erklärungsmuster: ein scheinbar in der Luft hängendes kreisrundes Objekt, das die staatlichen UFO-Forscher für einen mit hoher Verschlusszeit aufgenommenen Fußball halten, obwohl der Augenzeuge bei der Befragung extra bemerkte, dass er und seine Kinder „keinen Ball dabei“ gehabt hatten.

Luftwaffe geizt mit Informationen

Die Frage, was das kreisrunde Objekt auf dem Foto nun darstellt, offenbart eine wichtige Lücke im Untersuchungsbericht. Um mehr zu wissen, müsste der Leser die vollständige Aussage des Augenzeugen kennen. Doch er erfährt sie nicht – weder in diesem noch in irgend einem der anderen untersuchten Fälle. Denn die eigentlichen Zeugenaussagen hat die Luftwaffe extra ausgespart, um nicht – wie es in der Einführung heißt – „für jeden Fall umfangreiche Erläuterungen zu den jeweils verwendeten Methoden und Details der Zeugenaussagen erläutern zu müssen“.

Dennoch sei jeder, der mit den offiziellen Schlussfolgerungen nicht einverstanden ist, eingeladen, seine Einwände „persönlich in unserem Büro vorzubringen und solide Gegenbeweise mitzubringen“. Es dürfte sich jedoch um eine pro forma Einladung handeln – denn wer seine Untersuchungsmethoden nicht erläutern will und wichtige Details für sich behält, scheint wohl kaum an einem wissenschaftlichen Austausch interessiert, sondern eher daran, sich vor Kritik zu schützen, seine Ergebnisse unangreifbar zu machen.

Echo von deutschen UFO-Forschern

Wir haben den auf Deutsch übersetzten UFO-Untersuchungsbericht der argentinischen Luftwaffe an die Chefs aller deutschen UFO-Forschungsvereine geschickt und diese um eine Stellungnahme gebeten.

Feedback erhielten wir von den Vorsitzenden der Vereine MUFON-CES (Wolfgang Stelzig), IGAAP (Illobrand von Ludwiger) sowie GEP (Hans-Werner Peiniger). Vom Vorsitzenden des Vereins DEGUFO, Marius Kettmann, lag bis Redaktionsschluss keinerlei Rückmeldung vor.

Alle sind sich darüber einig, dass die von der argentinischen Luftwaffe angewendeten Untersuchungsmethoden sich kaum von denen der deutschen Fallermittler unterscheiden.

Wolfgang Stelzig (MUFON-CES) erklärt: „Dass man zuerst die gängigen Stimuli abklopft, wie helle Planeten (Venus, Jupiter usw.), helle Sterne, ISS, andere Satelliten, sowie die gängigen Luftfahrzeuge, ist natürlich das erste was man macht.“

Auch Hans-Werner Peiniger, langjähriger Chef der Gesellschaft zur Erforschung des UFO Phänomens e.V. (GEP), merkt an, dass sich die von der argentinischen Luftwaffe angewendeten Untersuchungsmethoden kaum von denen seines Vereins unterscheiden. „Selbst die verwendeten Softwaren sind weitgehend identisch“, fügt Peiniger hinzu.

Kritik an spärlichen Informationen

Allerdings – darin sind sich alle einig – seien die von der argentinischen Luftwaffe übermittelten Informationen zu dürftig, um deren Schlussfolgerungen nachvollziehen zu können. Insbesondere monieren deutsche UFO-Forscher das Fehlen des eigentlichen Zeugenberichtes.

Hans-Werner Peiniger (GEP) erklärt: „Die argentinische Luftwaffe macht es sich einfach, indem sie schreibt, dass die Identifizierung auf Grund der ‚perfekten Übereinstimmung mit dem beobachteten Quadranten und Datum, Uhrzeit sowie dem geographischen Standort des Zeugen“ erfolgt.‘“ Die Fallbeurteilungen von GEP seien in der Regel ausführlicher als die der argentinischen Luftwaffe, „da wir auch stets den entsprechenden Zeugenbericht veröffentlichen“.

Der Zeugenbericht spielt eine zentrale Rolle bei der Untersuchung von UFO-Sichtungen, erklärt Wolfgang Stelzig (MUFON-CES):

„Manchmal ist es dann so, dass die Beschreibungen der Zeugen mit dem, was man auf den Aufnahmen sieht, nur entfernte Ähnlichkeit haben. Das kann daran liegen, dass die Qualität der Aufnahme schlecht ist (Handyvideos, Nachtaufnahmen mit billigen Kameras) oder es kann auch daran liegen, dass die subjektive Wahrnehmung des Zeugen von der objektiven Realität stark abweicht. Aufgabe der Untersuchung ist es nun, die subjektive Aussage des Zeugen mit dem was die Aufnahmen zeigen irgendwie zur Deckung zu bringen, und dann eine Erklärung zu suchen.“

Illobrand von Ludwiger (IGAAP) fügt hinzu: „Da wir die Zeugen aus Argentinien nicht kennen, müssen wir darauf vertrauen, dass die Untersucher die Analysen in Absprache mit den Zeugen vorgenommen haben. Daher müssen wir uns den Schlussfolgerungen der argentinischen Luftwaffe anschließen bzw. uns eines eigenen Urteils enthalten.“

In einem Punkt unterscheide sich die deutsche UFO Forschung erheblich von der Arbeit der argentinischen Luftwaffe, gibt Peiniger zu bedenken. Sein Verein GEP dokumentiert und beurteilt UFO Sichtungen auch ohne Foto- oder Videobeweis:

„Während wir uns der zeitintensiven Beurteilung subjektiver Zeugenaussagen stellen, macht es sich die argentinische Luftwaffe auch hier wieder sehr einfach. Sie beurteilt mehr oder weniger nur das, was sie in den Händen halten kann, also ein Foto, ein Video oder einen anderen objektiven Beleg. Alleinige Sichtungsmeldungen bleiben unberücksichtigt, obwohl auch sie meines Erachtens sehr wichtig bei der Erforschung des UFO Phänomens sind.“

Ähnliche Ergebnisse auch in Deutschland

Alles in allem zeigen sich deutsche UFO Forscher jedoch zufrieden mit dem Untersuchungsbericht. Die Erklärungen der argentinischen Luftwaffe seien allesamt „nachvollziehbar und scheinen zumindest nicht grob an den Haaren herbeigezogen“, meint Wolfgang Stelzig. Die beurteilten UFO-Meldungen unterschieden sich kaum von denen, die gewöhnlich die GEP erhält, fügt Peiniger hinzu.

Der Bericht der argentinischen Luftwaffe habe gezeigt, dass zivile Organisationen wie die GEP durchaus die Arbeit einer staatlichen Untersuchungskommission übernehmen könnten, so Peiniger. „Sollte es auch hierzulande solche Bestrebungen geben, stellen wir gerne unser Know-how zur Verfügung.“

 

Weitere Informationen:

Vorheriger ArtikelDer Ausverkauf des Weltraums hat begonnen!
Nächster ArtikelDer US-Wahlkampf wird exopolitisch

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein