UAP Treffen EU Parlament 2024
UAP Treffen EU Parlament 2024

Am 20. März 2024 versammelten sich UFO-Forscher und Parlamentarier, um über die UAP-Politik der EU zu sprechen. Wir waren dabei.

von Robert Fleischer

Zum ersten Mal seit 30 Jahren halten UAP wieder Einzug ins EU-Parlament. Hintergrund sind die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Der Europaabgeordnete Francisco Guerreiro hatte unmittelbar nach der Anhörung des US-Whistleblowers David Grusch im US-Kongress im Juli 2023 eine Anfrage an die Europäische Kommission gestellt und wollte wissen, ob es auch in der EU Informationen über UAP gibt. Aus der Antwort (1) der Kommission ging hervor, dass keine EU-Behörde sich damit beschäftigt. Allerdings ist bekannt, dass mehrere Mitgliedsstaaten teils seit Jahrzehnten UAP-Forschung betreiben, so etwa Spanien, Italien und Frankreich.
„Ziel dieser Veranstaltung ist es, im EU-Parlament eine Debatte über UAPs zu eröffnen“, so Guerreiro. Es gehe darum, das mit dem Thema verbundene Stigma in der Luftfahrt, beim Militär, im Journalismus sowie in der Politik zu beseitigen.

Kleiner Konferenzraum, großes Thema

Die Veranstaltung (2) fand in einem relativ kleinen Konferenzraum statt, in dem sich neben UFO-Forschern aus mehreren Ländern auch einige Parlamentarier versammelt hatten.

UAP – ein drängendes Problem
André Jol sprach für die UAP Coalition Netherlands (3), einer Nichtregierungsorganisation, welche das Projekt gemeinsam mit dem Parlamentarier Guerreiro angestoßen hatte. Er erklärte, durch welche Eigenschaften sich UAP von identifizierbaren Objekten unterscheiden und warum das Phänomen eine mögliche Bedrohung für die Luftsicherheit darstellt. Das vorherrschende Stigma um UAP hindere etwa Piloten daran, offen darüber Meldung zu erstatten. Er regte eine verstärkte Datensammlung und internationale Kooperation zu UAP an und wies darauf hin, dass UAP in EU-weiten Luftsicherheits- und Weltraumgesetzen berücksichtigt werden sollten.

Alle EU-Staaten betroffen
Der italienische Forscher Edoardo Russo vom wissenschaftlichen europäischen Forschungsnetzwerk EuroUFO gab einen generellen Überblick über das Phänomen. So gebe es aus Europa mehr Sichtungsberichte (170,000 ) als aus den USA (105,000). Das Phänomen trete im Abstand einiger Jahre immer wieder vermehrt auf. Im Laufe der letzten 75 Jahre seien fast alle europäischen Länder betroffen gewesen, darunter Spanien (1968), Frankreich (1974) und Italien (1978). Im Allgemeinen werde von Lichtern am Nachthimmel berichtet (76 Prozent), doch immerhin 10 Prozent der Schilderungen betreffen Nahbegegnungen mit dem Phänomen. Auch werde von physikalischen Effekten, Bodenspuren, Pilotensichtungen und Radarerfassungen berichtet, wobei letztere oftmals unter militärische Geheimhaltung fielen. Etwa 6,5 Prozent der Einwohner verschiedener EU-Länder hätten bereits UAP gesehen, das entspräche auf die gesamte EU bezogen einer Anzahl von rund 29 Millionen Menschen.

Warum die Wissenschaft keine Antworten hat
Die schwedische Astronomin Dr. Beatriz Villaroel vom Nordic Institute for Theoretical Physics der Universität Stockholm sprach über den Umgang der Wissenschaft mit dem Phänomen. Das große Stigma, welches das Thema umgibt, sei der Grund dafür, warum UAP in den letzten 70 Jahren kaum von Wissenschaftlern erforscht wurden. „Es ist schwierig, darüber zu veröffentlichen. Und weil es schwierig ist zu veröffentlichen, selbst wenn man einige Ergebnisse hat, heißt es wiederum, dass es keine Beweise gibt, also darf man nichts dazu veröffentlichen. Eine echte Zwickmühle“, so Villaroel. Trotz Datenmangel gebe es einige vielversprechende Projekte, so etwa das Galileo Project an der Harvard University, bei dem unter anderem Infrarotkameras den Himmel absuchen und künstliche Intelligenz zur Analyse eingesetzt werden soll. Um die Hypothese zu testen, ob es sich bei fremden Objekten im All um außerirdische Fluggeräte handelt, untersuchte Dr. Villaroel historische Fotoplatten aus dem Zeitraum vor dem Start des ersten menschlichen Satelliten Sputnik im Jahr 1957. Dabei fand sie tatsächlich eine Reihe von gerade aneinander gereihten Lichtpunkten, die von einem Foto zum nächsten verschwunden waren. Ob es sich dabei um UAP handelte, ist unklar, aber interessanterweise tauchten solche Lichterreihen im All just an den zwei Tagen im Juli 1952 auf, als Washington D.C. gerade den Höhepunkt einer UAP-Sichtungswelle erlebte.

Reale Bedrohungen im Luftraum
Aus den USA kam auch der frühere US-Navypilot Ryan Graves zu Wort. Er wies auf die Zuverlässigkeit von Pilotenberichten und auf die Notwendigkeit hin, UAP Daten systematisch zu erfassen. Regierungen spielen eine wichtige Rolle dabei, das Thema UAP von seinem Stigma zu befreien. Das Stigma sei so mächtig, dass zivile und militärische Piloten lieber über ihre Beobachtungen schweigen, als ihre Karrieren aufs Spiel zu setzen. Dabei seien UAPs ein globales Phänomen, das eine Gefahr für die Luftsicherheit darstellt. Graves sprach aus eigener Erfahrung. Während seines Dienstes bei der US Navy beobachteten er und seine Kameraden immer wieder unbekannte auf dem Radar und auf Infrarotsystemen. Während eines Übungsmanövers habe sich eines davon auf gefährliche 15 Meter an den Kampfjet angenähert. Es habe ausgesehen wie ein dunkelgrauer Würfel im Inneren einer durchsichtigen Kugel. Die Übung musste unverzüglich abgebrochen werden. Dabei blieb es nicht. Immer wieder seien die fremden Objekte aufgetaucht: „Die UAP, auf die wir gestoßen sind und die wir mit mehreren Sensoren verfolgt haben, verhielt sich in einer Weise, die unserem Verständnis widersprach: Sie schienen sich bei orkanartigen Winden nicht zu bewegen, beschleunigten auf über Mach1 und überholten unsere Kampfjets“, so der frühere Navypilot. Die Herkunft dieser Phänomene sei nach wie vor völlig unklar. Aus diesem Grund gründete Ryan Graves die Organisation „Americans for Safe Airspace“ und setzt sich dafür ein, das Stigma zu beenden und die Öffentlichkeit darüber aufzuklären.

UAP-Sichtungen durch europäischen Piloten
Der niederländische Pilot Christiaan van Heijst machte klar, dass UAP keine amerikanische Erfindung sind. In seinen 20 Jahren als Frachtpilot habe er bereits alle möglichen Dinge auf der ganzen Welt beobachtet – Wetterphänomene, Raketenstarts, Militäreinsätze. Doch auch in Europa sah er unerklärliche Objekte. Einmal sei über Deutschland ein sehr helles Licht mit unglaublicher Geschwindigkeit vor dem Flugzeug heruntergeschossen. „Es brachte die Wolken unter dem Flugzeug zum Leuchten, was darauf hindeutet, dass es nicht nur eine Reflexion war“, so der erfahrene Berufspilot. Eine ähnliche Erscheinung beobachtete van Heijst Jahre später über Griechenland, als sich sein Flugzeug gerade in der Nähe des US-Flugzeugträgers Theodore Roosevelt befand. “Plötzlich tauchte ein sehr helles Licht direkt vor uns am Nachthimmel auf”, erinnerte sich der Pilot, “Es erschien und verschwand vier mal hintereinander und bewegte sich anders als Satelliten oder Flugzeuge. Nach dem vierten Mal schoss es ganz plötzlich mit unglaublicher Geschwindigkeit davon”. Seit er sich vor zwei Jahren erstmals öffentlich darüber geäußert hatte, seien zahlreiche andere Piloten mit ähnlichen Erfahrungen an ihn herangetreten. „Meine Kollegen haben von glühenden oder silbernen Objekten berichtet, die neben dem Cockpit ihres Flugzeugs schwebten und manchmal nahe der Schallgeschwindigkeit flogen. Andere haben von Gruppen pulsierender Lichter berichtet, die sie überholten oder in großer Höhe und Geschwindigkeit flogen“, so der Pilot. Die Beobachtungen seien sehr vielfältig. „Sie lassen sich nicht in eine bestimmte Beschreibung einordnen“. Die einzige Gemeinsamkeit sei, dass Piloten keinen Bericht darüber abgeben können. „Es ist wichtig, dass wir das Stigma loswerden, damit Piloten und Militärangehörige offen darüber reden können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen“.

Eine Frage des Vertrauens
Der Parlamentarier Guerreiro wies darauf hin, dass die EU ihr Vertrauen in der Bevölkerung verspielen könnte, falls sie das Thema nicht auf transparente Weise behandelt. „Die ganze Welt redet darüber, der US-Kongress hat sich damit beschäftigt, aber in der EU habe ich dazu noch keine Debatte gehört“, so der Abgeordnete. Es gebe bislang kein einheitliches, EU-weites System zur Meldung, Überwachung und Analyse von UAP-Sichtungen. Das Phänomen müsse koordiniert erforscht und das Stigma verringert werden. UAP sollten in EU-Gesetzen berücksichtigt werden, um damit besser umgehen zu können.

Zehn europäische Staaten haben bereits militärische Akten zu UAP freigegeben, andere stehen noch aus. Das letzte Mal, dass das EU-Parlament sich mit der Frage beschäftigte, war Anfang der 1990er Jahre. In Folge der damaligen massiven UAP-Sichtungswelle in Belgien leitete der Ausschuss für Energie, Forschung und Technologie des EU-Parlaments eine Untersuchung ein. Es wurde angeregt, die französische staatliche UAP-Forschungsbehörde GEIPAN in den Rang einer EU-Behörde zu erheben. Nach einer EU-Wahl verlief das Vorhaben im Sande, doch das Phänomen ist nach wie vor präsent.

Wie geht es nun weiter?
Immerhin zeigten einige der anwesenden Abgeordneten ebenfalls Interesse an UAP, so etwa José Penedo del Rio, Chief Political Affairs der Europäischen Agentur für Flugsicherheit in Köln. Er wies darauf hin, dass bereits ein EU-weites System zur Meldung von flugsicherheitsrelevanten Vorgängen existiere. Möglich, dass Piloten dieses kaum bekannte System nun verstärkt zur Meldung ihrer UAP-Zwischenfälle nutzen werden und sich dadurch bei EU-Stellen ein Bewusstsein dafür einstellt, dass es realen Handlungsbedarf gibt. Guerreiro hat dazu kürzlich einen Entschließungsantrag eingebracht, um UAP-Meldungen mit einzubeziehen. (4)
Doch im Großen und Ganzen steht Guerreiro im Parlament als Einzelkämpfer da. Zudem wird er bei der im Juni anstehenden Europawahl nicht erneut kandidieren, weshalb die Frage im Raum steht, wie es danach mit seinem Vorhaben weitergeht. Nur eines ist sicher: Das Phänomen wird weitergehen, und früher oder später landet das Thema erneut auf dem Tisch des Parlaments.

Links:
(1) Anfrage von Francisco Guerreiro: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2023-002375-ASW_EN.html
(2) Aufzeichnung des Treffens im EU-Parlament: https://www.youtube.com/watch?v=E5AUs1hzhc8
(3) https://uapcoalitienederland.nl/
(4) https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/B-9-2024-0194_EN.html

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