Sol Foundation Konferenz an der Stanford Universität 2023
Sol Foundation Konferenz an der Stanford Universität 2023

Beim Gründungsakt der SOL Foundation trafen sich Wissenschaftler, Militärs und Geheimdienstler – Robert Fleischer war dabei.

(Dieser Text erschien in ähnlicher Form auf Focus.de)

Die Gründungsveranstaltung der SOL Foundation am 17./18. November 2023 (1) wurde von Prof. Garry Nolan vom Pathologie-Institut der Stanford University School of Medicine sowie von dem Kulturanthropologen Dr. Peter Skafish organisiert und hatte zum Ziel, die wichtigsten Entscheidungsträger im Zusammenhang mit der Freigabe von UAP-Regierungsinformationen und Nutzung von hochentwickelter UAP-Technologie zu vereinen. Neben diversen hochrangigen Militärs und Geheimdienstmitarbeitern sprachen führende Forscher aus den Naturwissenschaften unter anderem über die überlegenen Flugeigenschaften von UAP oder auch die Zusammensetzung von geborgenen UAP-Trümmerteilen. Es kamen aber auch Anthropologen, Politik- und Religionswissenschaftler zu Wort, die sich eher mit der Frage befassten, auf welche Weise man der Menschheit möglichst schonend beibringen kann, dass eine nicht-menschliche Intelligenz mit hochentwickelter Technologie auf unserem Planeten aktiv ist. Dabei muss es sich nicht um außerirdische Besucher aus dem All handeln, was die Sache komplizierter macht. Alle anwesenden Forscher, mit denen ich gesprochen habe, waren sich einig, dass dieser Schritt eine große Herausforderung darstellt, nicht nur für die Wissenschaft, sondern insbesondere für die Politik, die Wirtschaft, die Religionen und die Gesellschaft insgesamt.

UAPs aus Sicht der Naturwissenschaft

Harvard-Physiker Avi Loeb sprach über Forschungsschwerpunkte seines „Galileo Project“ (2) bei der Fahndung nach UAP am Himmel sowie über eine Pazifik-Expedition vom Sommer 2023, bei der er metallische Überreste eines Meteoritenabsturzes auf dem Meeresboden einsammelte und analysierte. Die schwedische Astronomin Dr. Beatriz Villaroel stellte Ergebnisse zu rätselhaften Lichtpunkten im All vor, die sie auf Fotoplatten aus den 1950er Jahren – das heißt, vor dem Start des ersten Satelliten Sputnik – gefunden hatte.

Jacques Vallée und Christopher Mellon
Dr. Jacques Vallée und Christopher Mellon

Der langjährige UFO-Forscher Dr. Jacques Vallée gab zu bedenken, dass die rätselhaftesten UAP-Erlebnisse mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit weniger berichtet werden als bloße Beobachtungen von UAP am Himmel und stellte fest, dass die Erforschung dieser „High Strangeness“-Fälle, zu denen auch Berichte über Entführungen zählen, ein Schwerpunkt in der Forschung sein sollte, um das Phänomen besser zu verstehen. Der Physiker Kevin Knuth betonte die wiederholte Beobachtung von UAP mit Überschallgeschwindigkeit, die keine Anzeichen von Energiefreisetzung beim Abbremsen oder Anhalten zeigten, und verwies darauf, dass „Transmedium-Flugobjekte“, also UAP, die mühelos zwischen Erdorbit, Atmosphäre und Wasser hin- und herwechseln, seit langem berichtet wurden. Der Pathologe und interdisziplinäre Forscher Prof. Garry Nolan sprach über Fortschritte bei seiner Erforschung von angeblichen UAP-Trümmerteilen. Erstmals seien Metallstücke mithilfe von Atomsondentomographie untersucht worden, wobei er verschiedene Anomalien fand, die darauf hindeuten, dass das Material künstlich gefertigt worden sein muss. Zudem stellte er die neue Initiative „Stardust Repository“ vor, ein Vorhaben zur Schaffung eines Verbundes von Laboren und Analyseinstrumenten mit einheitlichen Teststandards zur Untersuchung derartiger UAP-Trümmerteile.

Sehen Sie auch: ERSTKONTAKT #37 mit detaillierter Zusammenfassung der Konferenz


Die komplette Sendung sehen Sie exklusiv auf ExoMagazin.tv: https://www.exomagazin.tv/ufo-insider-konferenz-an-der-stanford-universitaet-the-sol-foundation-erstkontakt-37/

UAPs aus Sicht der Religionswissenschaft

Auch aus Sicht der Geisteswissenschaften wurde das Thema beleuchtet. Die Religionswissenschaftlerin Prof. Diana Walsh Pasulka von der University of North Carolina Wilmington erklärte, dass seit Mitte des 20. Jahrhunderts mehrere UAP-Forschungstraditionen entstanden sind: Die geheime Forschung, die öffentliche, akademische Forschung, die Experiencer-Forschung, welche sich mit den Erlebnissen von UAP-Zeugen beschäftigt, sowie eine derzeit neu aufkommende vierte Richtung, in der das Phänomen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erforscht werde. Es sei von großer Bedeutung, so Pasulka, dass diese vier Traditionen sich vereinen, um die UAP-Forschung voranzubringen.

Der Kulturanthropologe Dr. Peter Skafish, ein Experte für die Konzeptualisierung von nicht-menschlicher Intelligenz, stellte dar, dass die breite Akzeptanz von UAP in der Bevölkerung mit großen Herausforderungen einhergeht. Dazu zählte er insbesondere die Ungewissheit, womit wir es dabei genau zu tun haben und die Schwierigkeit, dies auf althergebrachte Weise herauszufinden. Aber auch die derzeit vorherrschenden, anthropomorphen Sichtweisen seinen ein Problem. So könnte uns beispielsweise unsere Auffassung von „Technologie“ daran hindern zu erkennen, dass UAP mehr als nur fabrizierte Maschinen sein könnten.

Politikwissenschaftler: Möglicherweise katastrophale Folgen einer UAP-Enthüllung

Der Politikwissenschaftler Prof. Jairus Grove von der Universität Hawaii befasste sich hingegen mit den möglichen Folgen einer Freigabe von Technologie nicht-menschlicher Herkunft. Er stellte dar, wie schwierig es ist, eine klare Politik zur Offenlegung zu entwickeln, da das sporadische Erscheinen von UAP und ihre schnellen Bewegungen uns einerseits rätselhaft erscheinen und diese andererseits in einem internationalen Umfeld des Misstrauens auftreten. So gebe es immer mehr militärische Provokationen im Luftraum und in den Meeren, etwa im südchinesischen Meer und anderswo, zudem fehle es an kommerziellen und zivilen Systemen sowie Berichtsmethoden zur Unterscheidung zwischen Flugzeugen und UAP. Hinzu komme die exponentielle Zunahme von autonomen Flugdrohnen. Die fehlende internationale Transparenz in Sachen UAP und das Unverständnis der Gefahren, die mit dieser Lage einhergehen, erhöhten Prof. Grove zufolge die Gefahr, dass die Freigabe derartiger Technologie negativ ausgeht. So seien verschiedene Zukunftsszenarien vorstellbar, auf welche Weise die Welt darauf reagiert: Vom größten anzunehmenden Unfall, dem Kollaps sämtlicher gesellschaftlicher Bereiche nach einer ungeplanten, spontanen Bekanntgabe, bis hin zum Szenario des „fortgesetzten Wachstums“, bei dem der Status Quo mehr oder weniger aufrecht erhalten wird. Allerdings sei selbst in diesem letzten, optimistischsten Szenario von tiefgreifenden rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen auszugehen. Groves plädierte darum dafür, die Anwesenheit von UAP ernst zu nehmen, internationale Standards und Zusammenarbeit zu fördern und betonte die Dringlichkeit, sofort Strategien zu entwickeln.

Ehemalige Geheimdienstler: Offenlegung von UAP-Informationen nicht ganz einfach

Unter den anwesenden Rednern und Teilnehmern wurde die Existenz eines jahrzehntelangen Regierungsprogramms, das sich mit der Bergung und Reverse-Engineering von Fluggeräten nicht-menschlicher Herkunft beschäftigt, nicht in Zweifel gezogen, aber auch nicht bestätigt. Die seit 2017 erlassenen Gesetze deuten darauf hin, dass der US-Kongress fest von der Existenz dieses Programms ausgeht, über das er die Kontrolle zurückerlangen möchte. Die Sorge der früheren oder derzeitigen Regierungs- und Geheimdienstmitarbeiter auf der Konferenz galt eher den zu erwartenden Auswirkungen, wenn die Existenz hochentwickelter nicht-menschlicher Intelligenz und deren Technologie bekannt wird.

Dr. Harold Puthoff und Robert Fleischer
Dr. Harold Puthoff und Robert Fleischer

So verriet der langjährige Geheimdienst-Wissenschaftler Dr. Harold Putthoff, dass bereits viele Jahre zuvor ein geheimes Meeting stattgefunden hatte, an dem Mitarbeiter der CIA, des US-Militärgeheimdienstes DIA und Geschäftsleute teilnahmen. Ziel der Konferenz war es, die Auswirkungen einer Offenlegung von Informationen über geborgene Raumfahrzeuge und die damit verbundenen Herausforderungen zu diskutieren. Die Teilnehmer erstellten eine Liste aller betroffenen Bereiche, wie Aktienmarkt, Religionen, Politik und so weiter, und gingen diese Liste dann durch. Am Ende eines jeden Bereichs, so Puthoff, sei eine negative Bewertung herausgekommen. Obwohl die Teilnehmer prinzipiell für eine Offenlegung waren, stellten sich die zu erwartenden Auswirkungen als derart zahlreich und negativ dar, dasss sie letzten Endes empfahlen, die Offenlegung von UAP-Technologie nicht weiter zu verfolgen. Gleichwohl haben die UAP-Enthüllungen seit Dezember 2017 diesen Offenlegungsprozess neu entfacht.

Gesetzesentwurf soll „Katastrophale Offenlegung“ verhindern

Der frühere US Army Oberst Karl E. Nell, der den US-Kongress bei der Formulierung eines Gesetzesentwurfs zur „kontrollierten Offenlegung“ von UAP-Informationen half, stellte auf der Sol-Foundation die Herausforderungen und den Zeitplan vor. Er sieht vor, dass sämtliche UAP-Informationen an eine neu zu errichtende Untersuchungskommission geleitet werden soll, welche diese Akten dann grundsätzlich für die Öffentlichkeit freigibt, es sei denn, dass wichtige Gründe der Nationalen Sicherheit dagegen sprechen. In dem Gesetz ist auch die Rede von Enteignung – diejenigen Firmen, die solche UAP-Technologie in ihrem Besitz haben, sollen sie der Regierung übereignen. (2)

Der Zeitplan dieses „UAP Disclosure Act of 2023“ reicht bis ins Jahr 2030. Das strategische Endziel besteht laut Karl Nell darin, die rechtmäßige Oberaufsicht über sämtliche UAP-Altprogramme und derzeit laufende Bemühungen zurückzuerlangen, Chaos durch ein katastrophales Enthüllungsszenario zu verhindern und der Wissenschaft die Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen, die aus der UAP-Technologie gewonnen wurde.

Dieser Gesetzesentwurf wird derzeit noch beraten und soll bis Ende des Jahres 2023 im Rahmen des US-Verteidigungshaushaltsgesetzes NDAA verabschiedet werden. Er wird von mächtigen Vertretern aus beiden politischen Lagern im Kongress befürwortet, aber es ist nicht sicher, ob dieses Gesetz in der derzeitigen Form durchkommt.

Doch selbst wenn es durchkommt, bleibt die Frage, wie viele Informationen dadurch bekannt werden. Der ebenfalls anwesende frühere Inspector General der Geheimdienste, Charles McCullough III, der inzwischen den UAP-Whistleblower David Grusch und auch die Sol Foundation vertritt, zeigte sich skeptisch. Zwar sei es klar, dass UAP-Informationen über die Jahre hinweg als zu geheim eingestuft wurden. Und auch die parteiübergreifende Unterstützung des „UAP Disclosure Act“ sei ein gutes Zeichen. Doch eine plötzliche Offenlegung aller Geheimnisse wäre nicht im Interesse der USA, und er gehe davon aus, dass die Geheimdienste sich nicht zwangsläufig an die Offenlegung halten würden, bloß weil der Kongress ein Gesetz darüber verabschiedet.

Ähnlich drückte sich der ehemals dritthöchste Geheimdienstler im Pentagon aus, der frühere Deputy Assistant Secretary of Defense for Intelligence und Staff Director im Senats-Geheimdienstausschuss. In seiner Rede wies er darauf hin, dass der Kongress keinerlei Anhörungen oder Studien zu den möglichen Auswirkungen einer solchen explosiven Enthüllung durchgeführt hat. Die Bekanntgabe einer Existenz von ETs könnte weite Teile der Bevölkerung unweigerlich stark verunsichern. Andere Regierungen könnten auf Grund von Befürchtungen zu Überreaktionen neigen. „Welchen Grund gibt es zu glauben, dass der Nettoeffekt für die Gesellschaft eher positiv als negativ wäre?“, fragte Mellon die Anwesenden. (4) Diese Frage müsse erst einmal von den Befürwortern einer UAP-Offenlegung beantwortet werden. „Dies hat das Potenzial, eine echte Büchse der Pandora zu öffnen, darum sollten wir uns besser genau überlegen, wie wir damit verfahren“, sagte Mellon.

Werden die USA die Führungsrolle in Sachen UAP-Technologie übernehmen?

Die Elefantenrunde an der Stanford-University hat klar gezeigt, dass dieses Thema nicht einfach wieder verschwinden wird. Die wichtigsten Entscheidungsträger und Stakeholder gehen davon aus, dass eine Bekanntgabe der Existenz von nicht-menschlicher Intelligenz und deren Technologie über kurz oder lang unausweichlich wird. Für diesen Moment gibt es derzeit keinerlei Vorkehrungen: Weder rechtlich, noch politisch oder auch nur mental scheint man darauf vorbereitet zu sein. Dies birgt die große Gefahr einer plötzlichen Änderung des Status Quo. Die Auswirkungen könnten katastrophal sein – für die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik haben – unter anderem. Die gesamte Weltordnung könnte aus dem Gleichgewicht geraten. Darum finde ich, dass es dringend an der Zeit ist, die UAP-Enthüllungen zu beachten und sich entsprechend vorzubereiten. Welchen Standpunkt hat etwa die deutsche Bundesregierung dazu? Welchen Standpunkt hat Europa? Können wir es aus europäischer Sicht zulassen, dass dieses wichtige Thema unilateral von den Vereinigten Staaten behandelt und gemanagt wird, oder besteht nicht vielmehr aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen die Notwendigkeit, selbst einen Standpunkt dazu zu entwickeln? Das sind die Fragen, die ich aus politischer Sicht für wichtig halte. Die UAP-Offenlegung ist kein Ereignis, sondern ein Prozess, und wir wären gut beraten, diesen Prozess mit transparent und aktiv mitzugestalten.

Weitere Informationen:
(1) The SOL Foundation https://thesolfoundation.org/
(2) The Galileo Project: https://projects.iq.harvard.edu/galileo/home
(3) UAP Disclosure Gesetzesentwurf: https://www.congress.gov/amendment/118th-congress/senate-amendment/797/text
(4) Redetext von Christopher Mellon gekürzt auf TheDebrief: https://thedebrief.org/disclosure-and-national-security-should-the-u-s-government-reveal-what-it-knows-about-uap/

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