Atomkraftwerk bei Nacht - Quelle: pond5.com

Zwei weitere Kernkraftwerke wurden von mysteriösen „Drohnen“ überflogen. Politik und Militär wirken hilflos.

 

 

Von Robert Fleischer

Wer gehofft hatte, dass die Behörden dem Atom-Spuk bald ein Ende machen könnten, der wurde eines besseren belehrt. Zum zweiten Mal binnen 48 Stunden flog ein unidentizifizertes Fluggerät am Sonntagabend über das Kernkraftwerk Dampierre-en-Burly, 55 Kilometer östlich von Orléans, melden u.a. Le Monde und Le Parisien.

Auch gestern Abend kam es wieder zu einem Überflug: Gegen 19:30 Uhr erhielt der stillgelegte Atommeiler Creys-Malville im Südosten des Landes wieder Besuch – dieses Mal von zwei „kleinen Fluggeräten“. Sofort sei ein Hubschrauber der Gendarmerie von Bron gestartet, um die Flugkörper aufzufinden, meldet die Regionalzeitung Le Daupiné Libéré. Doch die Suche blieb erfolglos.

Der stillgelegte Reaktor von Creys-Malville war am 5. Oktober zum ersten Mal von einer Drohne überflogen worden. Die neuen Vorfälle markieren den vorläufigen Höhepunkt einer andauernden Serie von unerlaubten Überflügen französischer Atomkraftwerke durch unbekannte Flugobjekte, die laut Angaben des staatlichen Energieunternehmens EDF „mit einer Drohne vergleichbar“ seien.

  • Creys-Malville: 5. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt) und 3. November 2014 („gegen 19 Uhr“)
  • Blayais: 13. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt)
  • Nogent-sur-Seine: 13. Oktober 2014 und 19. Oktober 2014 (Uhrzeit jeweils unbekannt)
  • Cattenom: 14. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt)
  • Chooz: 19. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt)
  • Gravelines: 19. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt)
  • Le Bugey: 19. Oktober, 20. Oktober und 24. Oktober 2014 (Uhrzeit unbekannt)
  • Golfech: 30. Oktober 2014 (21 Uhr)
  • Penly: 30. Oktober 2014 (21 Uhr) und 31. Oktober (zwischen 19 Uhr und Mitternacht)
  • Flamanville: zwei Überflüge am 31. Oktober 2014 (18:42 Uhr und 19:29 Uhr, Größe der „Drohne: 1 Meter) – Quelle: Nouvel Observateur
  • Fessenheim: 31. Oktober 2014 (zwischen 19 Uhr und Mitternacht)
  • Saint-Laurent-des-Eaux: 31. Oktober 2014 (zwischen 19 Uhr und Mitternacht)
  • Belleville-sur-Loire: 31. Oktober (Kein Überflug, aber in der Nähe registriert worden)
  • Dampierre-en-Burly: 31. Oktober 2014 (zwischen 19 Uhr und Mitternacht) und 2. November 2014

Es sind nun drei Tage, an denen mehrere Atomkraftwerke quasi gleichzeitig überflogen wurden: Am 19. Oktober Nogent-sur-Seine, Chooz, Gravelines und Le Bugey; am 30. Oktober Golfech und Penly sowie am 31. Oktober Flamanville, Fessenheim, Saint-Laurent-des-Eaux, Belleville-sur-Loire und Dampierre-en-Burly. Es scheint damit ausgeschlossen, dass es sich um die Tat von Amateuren handelt.

Hilflosigkeit der Politiker

Zu den neuerlichen Überflügen gibt es noch keine offiziellen Statements der Politik. Wahrscheinlich versucht man in Paris erst mal, die Contenance zu bewahren. Dass man die Lage unter Kontrolle hätte, davon kann längst keine Rede mehr sein. Schließlich hatte die französische Umweltministerin Ségolène Royal angekündigt, dass die Übeltäter bald gefunden würden. „Ich lasse nicht zu, dass irgendjemand den guten Ruf unserer Atomsicherheit beschädigt“, erklärte sie.

Das Generalsekretariat der Verteidigung und der Nationalen Sicherheit (SGDSN) hatte bereits am Wochenende erklärt, dass „sämtliche für die Sicherheit von wichtigen Anlagen zuständigen Behörden“ mobilisiert seien, „um die Verantwortlichen zu finden und zur Strecke zu bringen“. Die Gendarmerie sei angewiesen worden, mit Pump-Guns auf die Flugkörper zu schießen (wir berichteten).

Der Innenminister Bernard Cazeneuve hüllte sich noch gestern bei einem RTL-Interview in geheimnisvolles Schweigen: „Am besten kommen wir in der Sache voran, wenn wir nicht sagen, was wir machen“. Auch eine Art, seine Ahnungslosigkeit zu verkaufen.

Journalisten geben Tipps zur Landesverteidigung

Das von französischen Massenmedien bislang skizzierte „Hobbykopter-Szenario“ (Eine Gruppe von Amateuren sorgt mit handelsüblichen Drohnen für Unsicherheit) scheint nicht länger geeignet zu sein, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Klar ist inzwischen: Weder das Militär noch die Sicherheitsbehörden haben das Problem im Griff. Das offizielle Schweigen einerseits und die wiederholten Beteuerungen andererseits, dass die Drohnen sowieso keine Gefährdung darstellen, zeichnen das Bild einer ahnungslosen Riege von Entscheidungsträgern, die mit leeren Versprechungen versucht, ihre Hilflosigkeit zu kaschieren. Das scheint auch französischen Medien nicht entgangen zu sein. Sie schwenken nun offenbar um – von der Verharmlosung hin zu handfesten Tipps für die Landesverteidigung.

Mehrere Zeitungen veröffentlichten detaillierte Anleitungen, um die Drohnen herunter zu holen. Le Point beispielsweise hält die Pump-Guns der Gendarmerie für gänzlich ungeeignet. Da müsse man schon schwerere Geschütze auffahren. Le Point schlägt den Einsatz von Luftabwehrraketen oder von starken Störsendern in der Nähe von Atomreaktoren vor.

Das französische Fernsehen hingegen sieht in einer neuen Entwicklung des chinesischen Militärs die Lösung für die heimische Drohnenplage. Die Ingenieurs-Akademie von China hätte schließlich einen „Anti-Drohnen-Laser“ entwickelt, der kleinen Zielobjekten im Umkreis von zwei Kilometern und einer maximalen Flughöhe von 500 Metern den Garaus macht. Hoffen wir, dass die Chinesen es mit dem Export von Militärtechnik in fremde Länder nicht ganz so eng sehen wie die Europäer.

Auch deutsche Atommeiler betroffen?

Werden auch deutsche Kernkraftwerke von seltsamen Flugobjekten besucht? Mit automatischen Überwachungsanlagen hat sich der deutsche UFO-Forscher Gerhard Gröschel vom Institut für technische UFO-Forschung am Kernkraftwerk Neckarwestheim auf die Lauer gelegt und erstaunliche Phänomene dokumentiert. Am kommenden Samstag veröffentlichen wir seine Aufnahmen und Forschungsergebnisse exklusiv auf ExoMagazin.tv.

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